Straßen in Moabit

Die Wilsnacker Straße

Haben Sie schon einmal Bad Wilsnack in der Prignitz besucht, diesen einstigen Wallfahrtsort, keine 1½ Stunden von Berlin entfernt? Das dortige Moorheil- und Thermalbad ist eine Reise wert.

Die Wilsnacker Straße beginnt noch außerhalb unseres Quartiersgebietes: an der Ecke Alt-Moabit. Dort sorgt der beliebte Otti-Grill für einen leckeren Imbiss, daneben geben Schaufenster den Blick frei auf beachtliche Kunstwerke: Malerei von Mols Landen oder nebenan im Kunstraum Siam, auf die neuesten Kreationen von Moabiter Künstlerinnen.  Geöffnet ist das Atelier samstags 12-16 Uhr, auf jeden Fall beim nächsten Moabiter Atelier-Wochenende im Mai.

Elegant überragt die St. Johannis-Kirche gegenüber ihr Umfeld. Sie wurde vor 180 Jahren von Karl-Friedrich Schinkel errichtet, dem berühmten Baumeister Preußens. Sie öffnet Donnerstag und Freitag von 12-15 Uhr ihr Tor, oft zu Konzerten oder regelmäßiger Teilnahme am Gemeindeleben. 

Unmittelbar an sie grenzt ein Friedhof mit Kriegsgräbern von 1945, der vor 60 Jahren Ehrenfriedhof wurde. Die aktive Geschichtswerkstatt Tiergarten forschte bereits dazu. Gegenüber herrscht am Justizkomplex ein reges Kommen und Gehen, werden doch hier täglich 300 Kriminialfälle verhandelt.1 

Der Einzelhandel belebt die Wilsnacker ab der Turmstraße: Zur Rechten „Imbiss Monana“, vor dem man prima draußen sitzen kann, wenn´s warm ist, und „Fahrradshop Gerhardt“. Er gehört zu den Alteingesessenen, dessen Fachkenntnis und breites Sortiment überzeugen. W Ebenfalls seit langem im Kiez, aber jetzt modern ausgestattet, ist „Friseur Eva“. Eine neue Nutzung der Bäckerei daneben lässt leider auf sich warten. 

Umso anziehender ist „La dolce vita“ gegenüber. Neben leckerer Naturkost findet man hier Informatives zu Gesundheit oder Ernährung sowie Berlins Umweltzeitung „Der Rabe Ralf“. Passend dazu das italienische Bio-Restaurant „Lei et Lui“ nebenan – seit Jahren ein Geheimtipp. Ein besonders schönes Schaufenster hat der Möbelladen „retro-nova“ in Nr. 62, dessen Dekoration und Auswahl an die 60er Jahre erinnert. Im Hinterhaus gründeten engagierte Eltern vor Jahren schon die Kita „Badehaus“. Auch im Montessouri-Kinderladen gegenüber (Nr. 12) werden kleine Kinder liebevoll betreut.

Neuigkeiten aus der Nachbarschaft erfährt man immer im Zeitungsladen Nr. 61. Seit 10 Jahren hält das Ehepaar Demeln neben Zeitschriften, auch Fahrkarten, Lottoscheine oder frischen Kaffee bereit. Bei Bedarf wird die Lektüre sogar an die Haustür gebracht. 

Jung-Unternehmer sind dagegen Jannis mit seinem Bistro in Nr. 60, das betörend duftende Teigtaschen und Kuchen anbietet E und daneben Sandra Bürgel mit ihrer kleinen Galerie im Souterrain. Danach wird es ruhiger in der Wilsnacker. Es folgen Frisörin Jeanette Wiegandt, die hier gekonnt die Haare der Bewohner schneidet und gegenüber das anmutig eingerichtete Restaurant „Hoa Nam“, seit kurzem mit Sushi im Angebot. 

Jenseits der Birkenstraße sind nur wenige unterwegs. Kinder eilen zum Training in die „Tanzwelten“R von Marion Mayer an der Ecke Kruppstraße; manch Erwachsener zum Feierabend in die Kneipe „Alcatraz“. Ein Lichtblick sind die gepflegten Beete davor, auf denen sogar Sonnenblumen sprießen. In Richtung Perleberger kommt man noch an der Werkstatt von Kurt Neumannn vorbei, der mit seinen Leuten schon manchen Wasserhahn im Kiez repariert hat. Nebenan wird man in „Zayas Brunnen“ verwöhnt: mit besonderer Kosmetik und Massage. Um das Wohlbefinden geht es in der Praxis von Physiotherapeutin Annette Baß in der Nr. 33.  

Werfen Sie noch ein Blick auf die Häuser gegenüber: die Fassaden sind ein Hingucker. Im Erdgeschoss von Nr. 40 werden 26 Kinder in der Kita „Cheburashka“ liebevoll betreut, die den Namen einer beliebten russischen Zeichentrickfigur trägt.

Immer willkommen sind Sie im Quartiersbüro in Nr. 34 hinter der auffallend rotbraunen Fassade. Das Team berät Sie gern, wenn Sie sich für die Wilsnacker oder andere Straßen im Kiez engagieren wollen. Im Büro liegen die Quartierszeitungen 21º OST der letzten Monate aus, aktuelle Faltblätter und andere Infos.

Gudrun Radev

Hier brodelt's

Turmstraße und Moabit – das gehört einfach zusammen. Die heute 2 km lange Straße wurde 1818 angelegt und reichte ursprünglich bis zur Heidestraße. Damals konnte man von hier die Türme der Sophien- und Nikolaikirche (im Osten bzw. Westen) sehen. Daher auch der Name. Heute hat sie selbst vier markante Türme. Zum Beispiel den der Heilandskirche an der Thusnelda-Allee 1, mit 87 m der dritthöchste Kirchturm Berlins. Die Kirche ist Treffpunkt, Konzert- und Ausstellungsraum in einem. Einige Schritte in Richtung Osten führt der Weg vorbei am neuen C&A-Kaufhaus, das früher zu Hertie gehörte und nun den Neubeginn auf der Turmstraße signalisiert. Der war auch bitter nötig, denn der einstige Glanz dieser Einkaufsstraße ist verblasst.

Hinter der Stromstraße unter den Lettern des einstigen Kinos „Turmpalast“ stolpert man fast über die Auslagen der „Möbel-Oase“. Wer den Laden betritt, staunt über dessen Größe. Momentan steigt die Nachfrage nach höherwertigen Möbeln. Für Inhaber Hakki Yozkat ein Indiz, dass Leute mit etwas mehr Geld in der Tasche hierher ziehen. Die wikuExpress-Reinigung in Nummer 24 ist für Moabiter eine wichtige ­Adresse: morgens die Wäsche hinbringen, abends sauber abholen. 

Nach der Post an der Ecke Lübecker Str. ist es mit Läden erst einmal vorbei. Momentan wird in der Turmstraße 22 gebaut, um Büros für Juristen einzurichten. Dahinter erstreckt sich bis zur Birkenstraße das Gesundheitszentrum Moabit (GSZM). Jeder alt eingesessene Moabiter kann eine Episode zum ehemaligen Krankenhaus erzählen. Heute sind hier Gesundheitseinrichtungen und Berufsschulen untergebracht. Im Hochhaus des Landesamt für Gesundheit und Soziales erhalten z.B. Flüchtlinge Rat und Hilfe. Im Erdgeschoss bietet die Kantine „Lebenswelten“ preiswertes Frühstück und Mittagessen. Sie ist Ausbildungsbetrieb für junge Menschen mit Behinderung. 

Weiter in Richtung Osten reihen sich auf der Turmstraße alt eingesessene Geschäfte hintereinander: Blumen-Witte, Friseursalon Regina, Golf-Juwelier und das Angkor Reisebüro. Wussten Sie, dass die Roland-Apotheke Ecke Bandelstraße bereits 120 Jahre alt ist?

Am Haus Turmstraße 13 prangt eine pralle Wurst. Sie weist den Weg zu „Sklep Spozywczy“. Kunden aus der halben Stadt kaufen hier ihre Lieblingsspeisen aus der polnischen Küche. 

Dort, wo der Verkehr langsam abnimmt, bieten Restaurants auch draußen Platz zum Verweilen: Zum Beispiel der Italiener „Al-Tribunale“, seit 17 Jahren im Kiez oder das „Viet + my“. Auch das California-Coffee ist eine Institution. Kein Wunder, denn von gegenüber aus dem Gericht mit seinen dicken Türmen kommen mittags die Juristen zuhauf. 

Erleichtert sind wohl alle Anwohner/-innen rund um die Pritzwalker Straße, dass ihr Supermarkt an der Ecke wieder eröffnen konnte. So bleibt der kurze Weg, um Fleisch, Gemüse und Obst einzukaufen. Und gegenüber kann man seinen Hunger nach Büchern stillen. Bei Klaus-Peter Rimpel in seiner Dorotheen­städtischen Buchhandlung. Sein Sortiment an Büchern über Tiergarten oder Berlins Geschichte ist einmalig. Jede seiner Lesungen ist gut besucht, und machmal ist er auch Gastgeber für Veranstaltungen des Quartiersmanagements. 

Die Turmstraße endet im Grünen. Direkt am Fritz-Schloß-Park, wo Erholung und Sport gleichermaßen möglich sind.

Gudrun Radev & Bianka Spieß 

Täglich fließt der Verkehrsstrom

Die Stromstraße trägt ihren Namen dank der Spree – die ja als Fluss oder Strom die Insel zum Teil umgibt. Die Straße existiert seit dem 18. Jahrhundert und zählt somit zu den ältesten in Moabit. Der nördliche Teil zwischen Turm- und Birkenstraße wurde erst nach 1840 bebaut. Er bildet gleichzeitig die westliche Grenze unseres Quartiersgebietes. Zunächst hieß die Straße „Grüner Weg“. Schwer vorstellbar, fließt doch heute dichter Verkehr. Trotzdem birgt die Straße links und rechts einige Überraschungen – sogar kulinarische.  

Starten wir beim Café am Park 1. Der Inhaber Avni Dogan bietet leckere türkische Küche und möchte in Zukunft auf seiner Terrasse zum Kleinen Tiergarten ganzjährig Gäste begrüßen.  Über die Turmstraße hinweg hat der alt eingesessene Meisterbetrieb Radio Gluth seinen Sitz. Bringen Sie ihm Ihre Lieblingsstücke zum Reparieren – Gluth macht‘s wieder heil. Auch sollten Sie Heninger nicht verpassen. Sein Geschäft mit Möbeln, Elektro- & Haushaltswaren liegt im Hof der Schultheiß-Brauerei. Was aus diesem Wahrzeichen einmal wird, scheint unklar. Klar jedoch ist, ein Bummel über die Höfe lohnt immer, hat doch der alte Industriebau seinen unverwechselbaren Reiz. Und im Sudhaus erhalten Liebhaber deftiger Küche immer ein guten Happen. 

Schräg gegenüber hat Angelika Hetzer mit ihrem Blumenstand wieder Hochsaison – jetzt, wo alle Pflanzen für den Balkon brauchen. Sie hofft, dass die Kunden, die ab 25. April zum neuen und alten Kaufhaus Turmstraße schlendern, auch bei ihr Halt machen. Ein paar Schritte weiter, in der Nummer 61, steht das älteste Gebäude der Straße, dessen Fassade reich verziert ist. An der nächsten Ecke finden Sie Leckeres zum Naschen. „Kuruyemis“ präsentiert Nüsse und Trockenfrüchte immer sehr appetitlich.

In der Nr. 52 ist der Showroom von Sanitär-Hintze. Den gibt es hier seit 90 Jahren. Er führt alles vom Wasserhahn bis zum Waschbecken. Im blauen Haus daneben residiert die Botschaft von Mosambique. Für gutes Handwerk stehen die drei Geschäfte Ecke Perleberger Straße. Die Frisörläden Mittmann & Mittmann und Sahin sind bekannt im Kiez. In der Bäckerei Seray stehen Semura Kessyan und Nihal Aytay hinter dem Tresen und bedienen alle Kunden mit einem freundlichen Lächeln. 

Weiter hinten ist für viele Muslime aus Moabit-Ost ein wichtiger Treff: die Aya Sofia-Moschee. Die Gläubigen legen Wert darauf, gut mit den Nachbarn in Kontakt zu stehen. Sie beantworten gern Fragen zum Islam – nicht nur jedes Jahr am 3. Oktober zum Tag der offenen Moschee.

Ein letzter Tipp: Dort, wo die Strom- zur Putlitzstraße wird, lädt seit kurzem das Theater ’89 zu unterhaltsamen Abenden. Ein Abstecher in die Hausnummer 13 ist absolut empfehlenswert.

Gudrun Radev / Bianka Spieß

Ein Ort zum Verweilen

Ein Ort zum Verweilen – so großzügig und einladend wie der Stephanplatz ist. Mit alten Bäumen, Spielgerät, verschiedenen Bänken, Sportfeld für Basketball oder Fußball. Freundlich leuchten ringsum Fassaden der Wohnhäuser aus der Gründerzeit, rot-braun die mit Efeu bewachsene Schule, dunkel-grün das historische Pissoir. Angelegt wurde der Platz vor 125 Jahren an der Havelberger, Stendaler und Stephanstraße. Von 1995-2002 gehörte der Stephanplatz zum Sanierungsgebiet „Stephankiez“ – als Wohnungen ringsum umfassend erneuert wurden, der Platz umgestaltet und der Verkehr beruhigt. 

In dieser Phase gründet sich auch der Verein „Bürger für den Stephankiez“ (BürSte), um weitere Bürger-Beteiligung sicher zu stellen. Heute ist BürSte im modernen Pavillon in der Stephanstraße 43 zu Hause und kümmert sich unermüdlich um gute Nachbarschaft. Am letzten Dienstag im Monat ist Kiez-Treff, am 1. und 3. Mittwoch kostenlose Rechtsberatung sowie regelmäßig samstags Kaffee-Klatsch (www.stephankiez.de).
Für 2015 hat sich der Verein wieder viel vorgenommen. So ist für den 12. Mai der Saubere-Stephankiez-Tag geplant: alle Nachbarn sammeln Müll, fegen, entfernen Unkraut. Besonders beliebt ist das von BürSte organisierte Stephanplatz-Fest – dieses Jahr am 4. Juli. Seit Jahren ist Power21, das Jugendprojekt, am Platz aktiv und erhält dafür eine Förderung vom Quartiersmanagement Moabit Ost. Keine Frage: die Betreuung des stets gut besuchten Spielplatzes mit dem buntem Container klappt wunderbar: nachmittags werden Geräte, Dreirad oder Spiele ausgeliehen. Für den 4.6. ist die Moabiter Olympiade geplant und am 4. Juli das Fußballturnier um den Power21-Pokal.

Auch viele der 430 Schüler/-innen aus der Hedwig-Dohm-Oberschule verbringen ihren Nachmittag auf dem Platz, schauen kurz im Kiezcafé vorbei oder holen sich nebenan bei Penny etwas zum Knabbern. Die frühere Knaben- und Mädchen-Schule war 1892 eine der größten Schulen der Stadt. Ein Teil des Gebäudes wurde im Krieg zerstört. So auch die „Schulbrausebäder“, wo Kinder aus den Mietskasernen kostenlos duschen konnten. Bis 2009 war hier die Heinrich-von-Stephan-Schule untergebracht und zog dann ans Neue Ufer. Heinrich von Stephan, ab 1875 General-Postdirektor und Mitbegründer des Welt-Postvereins,  gab dem Platz 1889 seinen Namen. Ohne ihn gäbe es weder die Postkarte, noch den Fernsprecher – und kein Internet. 1876 ließ er das erste Telefonkabel zwischen Berlin und Halle verlegen.

Eine wichtige Institution am Platz ist seit über 50 Jahren die städtische Kita Havelberger Straße – unter der Leitung von Frau Heybrok. Die Kita betreut 120 Kinder – und damit eine sehr große Vielfalt an Nationalitäten. „Wir sind natürlich die beste Kita im Kiez“, lacht die stv. Leiterin Frau Blocksdorf. Bei Interesse können sich Eltern vormerken lassen: www.kindergaerten-city.deEin weiterer Anlaufpunkt am Stephanplatz ist die freie evangelische Gemeinde. Sie beteiligt sich regelmäßig am Ökumenischen Bußweg (zu Ostern bzw. Ende November) und organisiert gern Nachmittage für Kinder. Wer wissen will, was aktuell läuft, schaut einfach in den Schaukasten oder unter www.feg-berlin-moabit.de. Im Herbst lud sie zur Ausstellung „25 Jahre nach dem Fall der Mauer“ – ich fühlte mich dort sehr willkommen.

Dahinter erhebt sich der „MOA-Bogen“, dessen Betreiber den Bau des BürSte Pavillons mit finanzierte. Im größten EDEKA-Markt Berlins absolvierten schon einige Schüler/-innen ihr Praktikum. Der gewaltige Komplex schirmt den Platz bestens vom Lärm der Stromstraße ab. Er entstand 2010 auf dem Gelände der einstigen Paech-Brot-Fabrik (Abriss 1994), deren Schornstein noch lange den Kiez überragte. Viele werden sich daran erinnern. An der Ecke Stephanstr. 26 (bis 2012 war hier die Apotheke) versorgt die freundliche „Pflegestation Julia“ ihre Patienten. Gegenüber in Nr. 46, bislang vom Gerüst verdeckt, bietet „Valladares“ hochwertige und vegane Lebensmittel, Frühstück & Imbiss. Wenige Schritte entfernt verwöhnt die Konditorin „Fräulein Büker“ mit leckeren Torten und Gebäck. 

Wie geht es jetzt weiter am Stephanplatz und wie können wir erreichen, dass sich noch mehr Menschen für ihn engagieren? Unter diesem Motto tagt am 14. April ein Runder Tisch! Ich hoffe, wir sehen uns. 

Gudrun Radev

Die Rathenower Straße

Rathenow ist eine Stadt 70 Kilometer nordwestlich von Berlin – genau wie Bad Wilsnack, Perleberg oder Pritzwalk, nach denen Straßen im Kiez benannt sind. Beginnen wir unseren Spaziergang außerhalb vom Quartier. Viele Moabiter Schüler/-innen kennen es gut: das vor zwei Jahren sanierte Oberstufenzentrum Banken und Versicherungen an der Ecke Alt-Moabit 12. 

Sie schlossen hier ihr Abitur oder Lehre ab, andere versuchen, ihren Schulabschluss zu verbessern. In der Turnhalle des OSZ trainiert der erfolgreiche Club ASV Moabit Basketball.  Gegenüber steht das bekannteste Moabiter Gebäude: die Justiz-Vollzugsanstalt Moabit. Die Moabiter selbst kümmert‘s kaum. Sie plaudern in der Rathenower Apotheke (Nr. 5) über ihre Wehwehchen oder treffen sich zu einer gemütlichen Pause in der Schlemmerstube (Nr. 7). 

An der Seydlitzstraße folgt eine Tankstelle mitten im Wohngebiet. Das wäre wohl heute kaum noch zulässig.  Ecke Turmstraße erhebt sich das imposante Gebäude des Berliner Kriminalgerichtes – inzwischen über 100 Jahre alt und damals das erste elektrisch beleuchtete Haus in Berlin. Wer die seltene Gelegenheit zu einer Besichtigung bekommt, sollte sie nutzen – schon die Treppenhäuser sind beeindruckend. 

Von dort hat man auch einen schönen Blick in den Fritz-Schloß-Park, der an der Seydlitzstraße mit einem weitläufigen Sport- und Spielplatz beginnt. Die Kinder des Moabiter Kinderhofs gehen hier oft Fußball spielen. Etwas kleiner sind die Bälle nebenan beim Minigolf. Wer hätte gedacht, dass dessen Angebot von den Bewohnern so gut angenommen wird. „An manchen Wochenenden reichen die Golfschläger nicht. Manche kommen nur wegen des leckeren, selbst gebackenen Kuchens“, sagen die Mitarbeiter.  Seit neuestem trifft man sich dort zu Yogastunden, einem Quartiersprojekt – obendrein kostenlos! In der Rathenower gibt es auch einige Unternehmen: so hat hier die exklusive Mode-Designerin Evelin Brandt mit ihren 60 Mitarbeitern ihren Sitz oder die Druckerei Grosskreutz. In den gepflegten Vorgärten der Wohnhäuser gegenüber blüht es in allen Farben. 

An der Ecke Birkenstraße fällt ein Anfang der 70er Jahre erbauter Kinder- und Jugendkomplex ins Auge. Die Stadtplaner bewiesen damals Köpfchen: Kindergarten, Freizeit-Einrichtung, Jugendamt, Schule sowie ein Kinderheim schafften einen Zusammenhang, der sehr sinnvoll erscheint. So kümmern sich heute noch Vereine wie das „Haus der Weisheit“, das „Jugendberatungshaus mentos“ oder der „Müttertreff“ um Familien. Die Kita ist bereits saniert. Das Zille-Haus wird bald wieder eröffnet (siehe S. 4) und der Schulhof der Kurt-Tucholsky-Grundschule wirkt schöner denn je zuvor. Beide Bauarbeiten wurden vom Quartiersmanagement finanziert. Besuchen sollten Sie die über Moabit hinaus bekannte Buchdruckerei Klünder auf der linken Straßenseite und den kleinen, feinen Antiquitätenladen.

Lebendiger wird es Ecke Perleberger: links die Alt-Berliner Kneipe „Kaputter Heinrich“, rechts die Nord-West-Apotheke. Auf dem kleinen Platz an der  Stendaler Straße treffen sich die Moabiter gern zu einem Plausch. Auch im Habibi-Laden, wo es alles für die arabische Küche zu kaufen gibt. O Außerhalb des Quartiersgebiets liegt die Bäckerei „Stadtplätzchen“, die ihre Berlin-Kekse in alle Welt liefert. Im selben Haus Rathenower Str. 43 lädt die Moa-Musikschule am 31. August zum „Tag der offenen Tür“ ein – Anlass genug, der Straße wieder einmal einen Besuch abzustatten.

Bianka Spieß

Die Pritzwalker Straße: Grün und aktiv

Pritzwalk ist neben Bad Wilsnack, Perleberg und Rathenow eine Kleinstadt nordwestlich von Berlin. Unterwegs in Moabit werde ich so manches Mal gefragt: „Pritzwalker Straße? Nie gehört!“ Meist verweise ich auf Amtsgericht und Dorotheenstädtische Buchhandlung. Die kennt jeder. An den Auslagen mit herrlichen Bildbänden und Büchern über Berlin-Tiergarten bleibt man immer wieder gern stehen. 

Die Pritzwalker Straße wurde bereits 1882 angelegt, ist heute eher von Neubauten geprägt. Wohl eine Folge der Kahlschlag-Sanierung in den 70er Jahren, die den Mietern mehr Licht und Raum bringen sollte. „Im Gebiet um die Pritzwalker wurden vor 120 Jahren die ersten mehrgeschossigen Mietshäuser Moabits gebaut. Deren Höfe waren besonders eng und dunkel, sanitäre Einrichtungen ungenügend“, erklärt Andreas Szagun von der Geschichtswerkstatt Tiergarten. „So ist es kein Wunder, dass im Flächennutzungsplan von 1965 die Gegend bis zum Schult­heiß-Gelände als Sanierungsgebiet gekennzeichnet war.“ 

An der Ecke Turmstraße preisen lautstark die Händler von „BestShop“ ihre reiche Auswahl an Obst, Gemüse und Lebensmitteln für Liebhaber der türkischen und Balkan-Küche. Sonst ist es in der Pritzwalker eher ruhig. Diese Ruhe weiß Fotokünstlerin Helen Schmidt aus der Pritzwalker 2 zu schätzen, die zum Kunstfestival gern mal Nachbarn einlädt. Ihre Werke waren schon in der Galerie Nord in der Turmstraße zu sehen.

Überhaupt leben in der kleinen grünen Allee viele sehr aktive Menschen. Die Pritzwalker hat die meisten Kiezhelden: Ingrid Thorius, Seydanur Karaca, Thomas Englert oder Andreas Klahn, allesamt Kiezhelden von Moabit-Ost.

Sonst aber ist der Alltag hier fast ländlich. Man grüßt sich sich, denn hier kennt (fast) jeder jeden. Oftmals ist das Bicyclope W neben dem Brunnen ein guter Ort für einen Plausch. Dieses Tretrad aus hellem Holz mit einer Lade-Station für Akkus wurde mit Anwohnern erbaut, gefördert vom Quartiersmanagement. Nebenan sitzen sie plaudernd unter dem großen Baum, laden Besucher zum Tee ein und verabreden sich für gemeinsame Aktionen des Quartiersmanagements.  Kein Wunder, dass sich Ideen wie die Suppen- und andere Nachbarschaftsfeste, gemeinsames Public Viewing oder das Begrünen der Straße  schnell herumsprechen. Damit wird es im nächsten Jahr weiter gehen. Vor allem der große Innenhof der Pritzwalker 1 soll verschönert werden. 

Darüber freut sich auch Anwohnerin Safie Abdul-Ghani – in diesem Jahr sogar Siegerin beim Kochduell  „Ich finde, dass wir uns noch mehr um unser Haus mit den vielen Bewohnern kümmern könnten – wir möchten uns ja wohl fühlen“.

Gudrun Radev 

Laut und lebendig

Hand aufs Herz – die Perleberger Straße zählt nicht unbedingt zu Ihren bevorzugten Straßen, wenn Sie einkaufen gehen, oder? Dafür stehen hier momentan zu viele Läden leer, vermisst man einladend dekorierte Schaufenster, ruhige Ecken ohne Verkehr. Und doch wohnen hier ja unzählige Menschen, bilden sich Warteschlangen an den Bushaltestellen, sind die Kreuzungen voller Leben.

Eine Verkehrsader

Die stark befahrene Perleberger Straße beginnt an der Perleberger Brücke Q, von der man wunderbar die S-Bahn, Fern- und Regionalzüge sowie die Baustelle der Europa-City beobachten kann. Insgeheim hoffen die Moabiter auf die Eröffnung der neuen S-Bahn-Linie 21 mit einem Bahnhof „Perleberger Brücke“. Die 1,5 km lange Perleberger verbindet den Wedding mit dem Herzen von Moabit und mündet an der ehemaligen Brauerei in die Stromstraße. An den 11 Kreuzungen häufen sich Geschäfte, Imbisse, Dienstleistungen.

Was es nicht alles gibt …

Mindestens 6 Friseure (siehe auch unser Dezemberheft), einen Kosmetiksalon, den Zeitungsladen „Ec Er“ mit frischen Backwaren, Lotto und Fahrkarten sowie 7 Imbiss-Stuben, zwei Shisha-Bars, Alt-Berliner Kneipen und „Habibi“,W der arabische Lebensmittel anbietet. Praktische Dinge erhält man im neuen Kindergeschäft „Perlenkind“, bei Matra­t­zen-Concord, im Schuhladen Osco, bei Hifi-Play, im Blumenladen und beim Auto-Handel Phönix-Car. Dienstleistungen bieten die beiden Apotheken, der Copy Shop, die Wäscherei sowie die zahlreichen Kfz-Werkstätten im Hof Nr. 44. Relativ neu ist das „Self-Storage“ an der Ecke Quitzowstraße, wo man seinen Hausrat sicher einlagern kann. Genaue Adressen finden Sie im Heft „Kauf ein im Kiez“E, noch zu haben im Quartiersbüro.

Für Ordnung und Sicherheit…

sorgt die Polizei. Hinter der wohl längsten Häuserfront arbeiten über 500 Mitarbeiter/-innen. Früher gehörte das weite Gelände dem Preußischen Militär. Vor kurzem übernahm Polizeioberrat Jörg RockR die Leitung des Abschnitts 33. Er ist froh, dass es hier so friedlich ist – trotz steigender Einwohnerzahlen. „Ich bin jedenfalls sehr angetan von der sehr entspannten Atmosphäre in Moabit.“ 

Viel Trubel in der Bibliothek

Die beliebte Bruno-Lösche-Bibliothek öffnet an 6 Tagen in der Woche T bereits ab 10 Uhr ihre Türen. Die Besucher kommen nicht nur, um in Zeitungen und Zeitschriften zu blättern, sondern natürlich Bücher, Musik-CDs, Filme auf DVD auszuleihen, die ­Computer zu nutzen oder den Lesungen im „Krimisalon“ zu lauschen. Den Schulkindern hilft Herr Arnold bei den Hausaufgaben; Senioren lernen am Vormittag in Kursen die Welt des Internets kennen… Oft leihen sich auch die Kinder aus den 3 Kitas „Perlentaucher“, „Birkelinchen“, „Kleiner Frosch“ Bilderbücher hier aus.

Die ganze Welt zu Hause

Das bunte, multi-ethnische Bild der Straße prägen nicht nur die Botschaften von UsbekistanY und Tad­shikistan. Auch die Treffpunkte mehrerer religiöser Gemeinschaften gehören dazu: die türkisch-islamische Gemeinde „Hicret Mescidi“ (Nr. 14), die apostolische Gemeinde gegenüber, das Indonesische Weisheits- & Kulturzentrum „Al-Falah-Moschee“ (Ecke Feldzeugmeisterstraße), die evangelische Heilig-Geist-KircheU oder das pakistanische Kulturzentrum „Minhaj ul quran“ auf dem Hof der Schultheiß-Brauerei. Diese soll ab kommendem Jahr in ein Einkaufszen­trum umgebaut werden, was für die Perleberger Straße sicher ein Gewinn sein wird. 

Unterstützung bei Problemen

Die Perleberger beheimatet mehrere Anlaufpunkte für Menschen mit gesundheitlichen, finanziellen oder ganz drängenden Sorgen wie Obdachlosig­keit. In der Selbsthilfe-Kontakt- und Beratungsstelle Mitte (SHK) I – zu finden im leuchtend orangefarbenen Haus Ecke Lübecker Straße – treffen sich Menschen, die „ihr Leben auch aus eigenen Kräften verändern möchten.“ Es gibt z.B. Gruppen für Alkoholkranke, Depressive, Messis oder Rheumakranke. Dort tauscht man sich über neue Therapieformen und gute Ärzte aus.  

Meine Lieblingsorte

Zum Glück gibt auch ruhige Orte wie das „Café Lebenstraum“ an der Ecke Lübecker, wo man mit den Eltern vom Spielplatz nebenan ins Gespräch kommt. Gerne verabrede ich mich mit Kiezbewohnern auch in der „Miniperle“, wo man vom Trubel draußen schnell abschalten kann. Und welcher ist Ihr Lieblingsort?

Gudrun Radev

Die Lübecker Straße

Die Lübecker beginnt an der Post Ecke Turmstraße, jenseits vom Kleinen Tiergarten – in Fortsetzung des gern genutzten Pflasterweges. Sie führt direkt nach Norden – wohl in die sympathische Hansestadt Lübeck, deren Namen sie seit 125 Jahren trägt.  Das erste Gebäude rechts ist das moderne helle Postamt, gefolgt vom historischen Teil aus rotem Backstein und Wohnbauten der 50er Jahre mit Vorgarten. Zur Linken empfängt uns ein reich verziertes Wohnhaus in weiß/rot aus der Gründerzeit. Darin der türkische „Damla Grill“ mit einem Istanbul-Wandbild, das man gesehen haben muss.

Es folgen u.a. ein Reisebüro, der alteingesessene beliebte Salon für Kosmetik „Le Soleil“ und der kleine Afro-Shop. Hier lohnt es sich allemal vorbei zu schauen, denn Fisch, Gemüse und Wildfleisch aus Afrika gibt es zu sehr günstigen Preisen. Nebenan die alte Stammkneipe „Zur Post“.  Am Haus Nr. 46 leuchtet blau das Logo der Fritz-Jahn-Gebäude­reinigung. Der Inhaber unterstützt soziale Initiativen in Moabit, so auch den Hort der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule. Die größte Firma von Moabit-Ost hatte hier 65 Jahre ihren Sitz, zieht jedoch nun um in die Holzhauser Straße. 

Kennen Sie bereits das Obdachlosen-Haus gegenüber im typischen 50er Jahre-Stil? (Früher war es ein Wohnheim für Krankenschwestern.) E Sicher doch, wenn Sie im Mai am Straßenfest „Moabiter Abendschmaus“ teilnahmen. Nicht zu übersehen sind jetzt die rosa Ballons, die abends davor leuchten – eine Aktion des Quartiersmanagement. Die Bewohner sind übrigens nicht nur aufgeschlossen, sondern beteiligten sich mit ihrer Leiterin und Kiezheldin Frau Koppelmann (siehe Heft 15) bereits zweimal am geselligen Suppenfest entlang der Pritzwalker Straße. Gerade waren sie Gastgeber für drei Kiezrunden des Quartiersmanagements. In der Lübecker stehen nur wenige Bäume. Schade, dass sich nicht ein bisschen Grün aus dem Kleinen Tiergarten hierher versetzen lässt… Jetzt jedoch kümmert sich das Projekt „Grüne Kiezstraße“ (unterstützt vom Quartiersmanagement Moabit Ost) darum, dass hier bald Pflanzen und Bänke stehen werden, deren Pflege dann Bewohner/-innen und Geschäftsleute übernehmen. 

Etwas Besonderes ist das Haus Nr. 13. Hier kam 1890 der berühmte Schriftsteller und Journalist Kurt Tucholsky zur Welt. Heute sorgt hier die Galerie „Kurt, Kurt“ unter Leitung von Simone Zaugg und Kiezheld Pfelder als Stadtlabor für überraschende Ausstellungen (siehe unsere Ausgabe 9). Gleich nebenan kann man im Schaufenster des Schülerladens „Tiger, Panther & Co“ R die kreativen Arbeiten der Schüler bewundern, ebenso wie die Auslage im Atelier für „Mode & Architektur“ zwei Häuser weiter.  Im prachtvoll sanierten Haus Nr. 19 T ist die Kontakt­stelle Pflege-Engagement untergebracht, wo pflegende Angehörige kostenlos beraten werden. Gleich daneben Friseur „Kaiserschnitt“ mit Kontakt zum Smiling Berlin Verlag. Dagegen vertreibt der Weidler-Verlag weiter vorn in Nr. 8 vor allem wissenschaftliche Werke. 

Seit dem Sommer können die Kinder wieder den weiträumigen Spielplatz nutzen, dessen Umgestaltung ebenfalls übers Quartiersmanagement aus dem Fonds „Soziale Stadt“ finanziert wurde. Er grenzt an das orangefarbene Eckhaus – mit dem sich die Baugenossenschaft der Bewohner einen Lebenstraum erfüllte. Darin erwartet Sie ein Nachbarschafts-Café, die Selbsthilfe-Kontaktstelle SHK und das Familienzentrum Moabit-Ost. Informieren Sie sich über das breite Angebot anhand der unzähligen Faltblätter, Einladungen und Plakate, die dort aushängen sowie unter stadtrand-berlin.de. 

Ecke Perleberger Straße residiert die Botschaft von Tadshikistan. (Sie konnte 2012 beim Quartiersprojekt „Moabit mal anders“ besichtigt werden.) Im Hof des breiten gläsernen Neubaus Nr. 32 betreut die Kita „Kleiner Frosch“ die jüngsten Moabiter. 

Frisch renoviert erstrahlt wieder das imposante Eckhaus gegenüber: Im Erdgeschoss die Reinigung „Textil-Stil“ und der beliebte Copy-Shop von Ali Polat. P Der Landesmusikrat im Haus Nr. 23 vertritt Interessen der Berliner Musikschaffenden. Im letzten Haus links, Nr. 26, sitzt die Fahrschule „Rennmäuse. Dahinter erblickt man schon von weitem den dunklen Moa-Bogen – das moderne Einkaufszentrum mit Parkhaus.  So treffen in der Lübecker auffallend verschiedene Baustile aufeinander.

Gudrun Radev

Die Lehrter 

Früher hieß sie einfach Torfstraße. Ob man Torf hier abgebaut hat, ist nicht überliefert. Aber die Begeisterung der Moabiter über den ersten Schnellzug aus der niedersächsischen Stadt Lehrte. Kurzerhand benannten sie ihre Straße einfach um. Der denkmalgeschützte Lehrter Bahnhof blieb nicht erhalten und auch die Straße sollte es Teil der Stadtautobahn eigentlich nicht mehr geben. Doch die legendäre Hartnäckigkeit der Bewohner durchkreuzte sämtliche Pläne. 

Wenn man von der Invalidenstraße aus kommend das schmucklose Hotel hinter sich gelassen hat, beginnt das richtige Moabit. Links die Wohnblocks der Zille-Siedlung, inzwischen mit viel Grün und liebevoll saniert. Rechts Kasim Ösers „Lehrter Shop“. In diesem  Kiezladen treffen sich die Nachbarn aus der Zillesiedlung. 

Aus den Häusern dort genießt man den grünen Ausblick zum heutigen Geschichtspark. In dem ehemaligen Zellengefängnis saßen u.a. aufrechte Gegner des Naziregimes. In den Schrebergärten gleich daneben duftet es gerade nach Herbst – ein Spaziergang hier wirkt wie ein Kurzurlaub. Gegenüber liegt die Berliner Stadtmission mit ihrem Heim – im Winter ein wichtiger Anlaufpunkt für Obdachlose. Nebenan beeindruckt das sanierte Jugendgästehaus im Stil der 50er Jahre durch seine ruhige Lage in einem kleinen Nadelwald.  An der Ecke Seydlitzstraße beginnen 2014 die Bauarbeiten für ein neues Bildungs- und Begegnungszentrum. Betreiber wird das SOS-Kinderdorf sein. Dahinter steht seit diesem Frühjahr die Kletterhalle des Deutschen Alpenvereins. Schnupperkurse gibt es z.B. sonnabends für Kinder und Jugendliche ab 13 Uhr. 

Auf der rechten Seite der Lehrter Str. stehen die sog. denkmalgeschützten Beamtenwohnhäuser, einstmals erbaut für die zahlreichen Moabiter Eisenbahner. Einige Schritte weiter, in der Nr. 17, befindet sich die Indonesische Botschaft. Im selben Gebäude zeigen seit kurzem Künstler unter dem Label „Lehrter Siebzehn“ moderne Kunst. R Die Mieter der Häuser 62-65 gegenüber können täglich das sportliche Treiben im Poststadion beobachten. Erst im August fand hier das Moabiter Familiensportfest statt, das aus dem Programm Soziale Satdt gefördert wird. 

1936 war das Poststadion einer der Austragungsorte der Olympischen Spiele. Heute trainiert hier der erfolgreiche Fußballverein BAK07. Auch Handball-, Tennis- und Rollsportvereine sind hier zuhause.  Schräg gegenüber von Poststadion und Justizvollzugsanstalt (Lehrter Straße 61) sammelt Wolfram Liebchen seit Jahrzehnten historische Bauelemente: wie Türklinken, Dielen oder Fliesen, die er aus Altbauten rettete. Im nächsten Jahr will die Groth-Gruppe an dieser Stelle mehrere Hundert Wohnungen bauen. Die Inhaber der beiden Lokale in der Lehrter Straße 26b-30 wird’s freuen – neue Kundschaft ist sowohl im „Eiscafé Dolo­miti“ als auch im Restaurant „Mediterraneo“ willkommen. 

Durch das Tor des Gebäudes mit seinen imposanten Säulen gelangt man zur Remise der Kufa-Kids – einem Kindertreff, der unter anderem vom QM gefördert wird. Vorn ist der Betroffenen-Laden ein wichtiger Anlaufpunkt (siehe linke Seite). Daneben, auf dem erst im Sommer wieder eröffneten Klara-Franke-Platz, trifft sich Jung und Alt. U Hinter den Spielgeräten wachsen im Bürgergarten des Vereins „Moabeet“ die ersten Zucchinis und Tomaten. Wer selbst etwas anbauen möchte, ist willkommen und braucht nur im Café Moab der Kultur­fabrik nachfragen. Die Kufa, wie sie auch kurz genannt wird, ist Theater, Kino, Galerie und Tanzfläche in einem. 

Mitte September fand auf dem Hof das vom QM geförderte Festival „Balkan Beets & Swing“ auf dem Hof statt. Unweit von Kulturfabrik und der Galerie Zweigstelle (Nr. 37) hat die Sultan-Ahmet-Moschee ihren Gebetsraum. Im Kindergarten nebenan treffen sich dreimal im Monat junge Eltern zum Gespräch. Die Betreuerinnen des QM-Projekts „Gesunde Kinder“ geben Hinweise, welche Orte in Moabit besonders für kleine Kinder geeignet sind. Mit der benachbarten „Kita Bunte Sonne“ werden gemeinsam Hoffeste O veranstaltet. Überhaupt spielt die gute Nachbarschaft in der Lehrter eine große Rolle. Vielleicht kennen Sie ja eine schöne Geschichte. Dann schreiben Sie uns. 

Bianka Spieß / Gudrun Radev

Unsere Kruppstraße

Eisengießer Friedrich Krupp ist der Namensgeber für die 600 m lange mit Kopfstein gepflasterte Kruppstraße. Seine Erfindung, der Guss-Stahl, war nützlich für Deutschlands wirtschaftlichen Aufschwung in der zweiten Hälfte des 19. Jh. Aber auch für die Ausrüstung der Soldaten, die in den Kasernen Moabits ihren Dienst leisteten.  
Beginnen wir unseren Spaziergang an der Wilsnacker. Ins Auge fallen die grünen Vorgärten und Baumscheiben an dieser Ecke, die von Prof. Suiko Shimon gepflegt werden. Als Japanerin folgt sie dabei einer Jahrtausende alten Philosophie, die sich u.a. an dem Stand der Sonne und den Himmelsrichtungen orientiert. Unter ihrer Anleitung greifen inzwischen sogar die Stammgäste von Alca­traz, der echten Berliner Eckkneipe, zu Hacke und Gießkanne.
Gegenüber in den „Tanzwelten“ erlernen etwa 70 Kinder seit über 14 Jahren das Tanzen. Interessierte können sich bei Tanzpädagogin Marion Mayr gern vorstellen. Zu sehen sind die Kinder beim PerlenKiezfest am 29. August. Nebenan dreht sich alles um die Musik – im wahrsten Sinne des Wortes, denn Stefan Streif betreibt in Nummer 12 ein Antiquariat für Schallplatten. Er öffnet seine Fundgrube jeden Donnerstag. 
Eine Tür weiter ist das Büro von Danny Hafkes Hausservice, dessen Mitarbeiter Büros und Geschäfte zum Glänzen bringen. Die Hafkes sind für ihre gute Qualität bekannt und geschätzt.  Gleich hinter der Kreuzung Rathenower hört man Kinderlachen. Dank des Quartiersmanagements stehen auf dem Hof der Kurt-Tucholsky-Grundschule phantasievolle Klettergeräte, die in den Pausen und am Nachmittag viel genutzt werden. Gerade erhielt die Einrichtung für ihr musisches Konzept zum 2. Mal den Titel „Musikalische Grundschule“ . 

Auf der anderen Straßenseite schimmert blaugrün das Mosaik an der Fassade – eine optischer Hingucker der hier ansässigen Glaserei. Gegenüber der Feldzeugmeisterstraße folgt ein Beamtenwohnhaus, von dessen Bauart es mehrere im Kiez gibt. Nele Niemeyer betreibt hier eine Naturheilpraxis mit Blick auf den Fritz-Schloss-Park. Auf den Park schauen ebenso die Kinder der Tucholsky-Grundschule im Haus Nr. 14b. Gleich daneben steht man vor einem der zahlreichen preußischen Kasernengebäude in Moabit-Ost. Über Jahre war hier der Abschiebegewahrsam, heute hingegen hat die „Zentrale Bearbeitungsstraße“ hier ihren Sitz, eine Polizei-Einheit, die Großeinsätze koordiniert. Sie gehört zur Direktion 3. 
Kurz vor der Kruppstraße 16 führt ein Weg hinein in den Fritz-Schloss-Park. Nach 50 m hört man das wohlbekannte Plopp von den Plätzen des Tennisclubs Tiergarten, der auch für seine gute Jugendarbeit bekannt ist. Nur wenige Schritte davon entfernt lädt Metall-Designer Anderl Kammermeier an Sommer-Sonntagen in seinen herrlichen Garten zu Konzerten und Ausstellungen.Y Wunderschöne Gärten entdeckt man auch im Komplex Krupp-/Lehrter Straße. Die alten Kasernen aus rotem Ziegelstein wurden von den weit über Berlin hinaus bekannten Architektur­büros – wie Sinai Landschaftsarchitekten oder Sauerbruch Hutten – denkmalgerecht saniert. Sie haben alle Hände voll zu tun, denn die Projektierung der 700 Wohnungen gegenüber dem Poststadion läuft auf Hochtouren. 
Verlässt man das Karreè durch das alte Eingangsportal, lohnt es sich innezuhalten. Einer der schönsten Blicke in Moabit-Ost ist der zum Tor des Hauses Lehrter Straße 27.  Zeit für eine Pause im dortigen B-Laden. Jeden Dienstag nachmittag treffen sich hier Nachbarinnen – bei gutem Wetter im Vorgarten. Von hier aus lässt sich das Treiben auf der Kruppstraße gut beobachten.

Bianka Spieß

Die Birkenstraße – lang und abwechslungsreich

Die Birkenstraße ist heute 900 m lang und eine der ältesten Straßen Moabits. Sie wurde vor 190 Jahren angelegt und hieß anfangs noch Birkenallee. An ihrem westlichen Ende liegt der wunderbare Schulgarten, der am 13. März in die Saison startet. Am östlichen beginnt der Fritz-Schloss-Park gleich hinter dem Heinrich-Zille-Haus, das derzeit umgebaut wird. 

Direkt am U-Bahnhof reihen sich Kneipen, Restaurants, Cafés aneinander, die immer gut besucht sind. An der Stromstraße steht seit 2010 das Einkaufs­zentrum MoaBogen 3. Früher war hier die Großbäckerei Paech. Hinter dem Parkhaus – neben dem Brunnen – hat der Verein Bürger für den Stephankiez BürSte seinen Treffpunkt. Er kümmert sich um die Kinder und Bürger rund um den Stephanplatz.  

Genau in der Mitte der Birkenstraße ragt der Turm der restaurierten Heilig-Geist-Kirche auf. Zur Gemeinde gehört eine der ältesten Kitas Berlins – „Birkelinchen“5. Gegenüber befindet sich die kleine, feine Bruno-Lösche-Bibliothek, ein wichtiger Treff für den Kiez. Bibliothekarin Nancy arbeitet schon seit 12 Jahren hier und kennt fast alle.

In der Nr. 19 eröffneten kürzlich das Café „Thea & Coffee“. Die jungen Inhaber kommen aus dem Kiez. Früher kaufte man hier Waschmaschinen. Ein Gast schreibt begeistert: „Was für eine Bereicherung in Moabit, kann ich nur empfehlen! Der Schokokuchen, natürlich selbstgemacht, ist köstlich.“ 

Von der Birkenstraße gelangt man auf das Gelände des ehemaligen Krankenhauses Moabit, heute GSZM. Der dortige Park ist die dritte grüne Oase entlang der befahrenen Straße. Gegenüber kann man auf der Terrasse von „Conviva“ einen guten Kaffee trinken und das Treiben beobachten.

In der Birkenstraße wohnt auch Joanna Barelkowska. Die Slawistin lebt schon 20 Jahre in Moabit. Seit zwei Jahren ist sie im Vergabebeirat des Quartiersmanagements aktiv. Besonders gut findet sie, dass 2012 zwei tolle Projekte für das Obdachlosenheim Lübecker Straße bewilligt wurden. Was wünscht sie sich für die Birkenstraße?

 „Ich lebe gern hier, aber schöner wäre es, wenn die Autos nicht so durchrasen würden. Außerdem hätte ich gern Bänke, wo wir uns mit Nachbarn vor dem Haus treffen könnten – so wie die Frauen in der Pritzwalker Straße. Die machen das richtig.“ Joanna Barelkowska

Am 23. August 2013 will das Quartiersmanagement auf der Birkenstraße sein 3. Perlenkiezfest feiern.

Gudrun Radev / Bianka Spieß